Scrumboard: Zettelchaos oder die Wahl des digitalen Helferchens
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Wie plant Ihr Team seine Entwicklung?

Meilensteine? Sprints? Auf Zuruf? Gar nicht?

Das Entwicklungsteam der HanseVision sitzt seit ca. 2 Jahren jeden Freitag zusammen und plant gemeinsam den nächsten Sprint. Dabei gehen wir in Scrum-Manier an die kommenden Herausforderungen heran. Das Ergebnis sieht oft so aus.

1 WhiteBoard des Dev-Teams

Etwas unübersichtlich aber jeder aus dem Team findet sich zurecht. Auch unsere Berater und Projektleiter können zu uns in Büro schneien und sehen wo ihr Projekt gerade steht.

Da die HanseVision aber weiter wächst, reicht unser jetziges Taskboard bald nicht mehr aus. Auf dem Bild kann man schon erkennen, dass so manches Arbeitspaket unten raus fällt. Auch unsere anderen Standorte im Süden und im Westen sind nicht vertreten. Und die dort sitzenden Projektleiter können schon gleich gar nicht mal eben in unser Büro kommen. Deswegen muss eine neue Lösung für das Taskboard her…

Da wir uns vor keiner Herausforderung scheuen (man denke an das Dev-Team Video), haben wir einen Plan geschmiedet. In den letzten Wochen und Monaten haben wir drei verschiedene digitale Tools zur Planung der Entwicklung angeschaut. Dabei waren folgende Punkte für das Digitale Scrumboard besonders wichtig:

  • Mehrere Projekte: Als Dienstleister müssen wir gleichzeitig an mehreren Projekten arbeiten können. Aus diesem Grund müssen diese auch im Tool gleichzeitig sichtbar sein
  • Taskboard: Wir wollen ein Taskboard mit Spalten
  • Daily Scrum: Wir benötigen eine möglichst gute Übersicht während des Daily Scrums
  • Planung: Die nächsten Pakete im Backlog müssen gut planbar und über mehrere Projekte hinweg sichtbar sein
  • Review: Am Ende eines Sprints werten wir noch einmal alle Arbeitspakete aus. Dafür benötigen wir auch eine gute Übersicht
  • Reports: Eine Übersicht über die Entwicklungsgeschwindigkeit wäre gut. Außerdem würden wir gern einen automatischen Burn-Down-Chart haben

Die drei Tools die gegeneinander angetreten sind:

  • TeamPulse (http://www.telerik.com/teampulse)
  • VersionOne (http://www.versionone.com/)
  • Jira + Agile (https://de.atlassian.com/software/jira/agile)

Wie sind wir vorgegangen:

  • Integration aller Arbeitspakete (und anderer Zettel)
  • Test eine Tools über 4 -6 Wochen
  • Währenddessen wird nur das Tool und nicht das Whiteboard genutzt
  • Am Ende Export der Arbeitspakete (und Zettel)

Alle drei Tools unterstützen mehrere Projekte deswegen werde ich darauf nicht näher eingehen.

 

Taskboard – die tägliche Nutzung

Im Taskboard bevorzugen wir eine Spaltenansicht über Todo, In Progress und Done. Zu sehen sind unsere Arbeitspakete (= User Stories) und ihre Unteraufgaben. Alle drei Produkte bieten hier sehr gute Kost. Mittels Drag & Drop lassen sich die Unteraufgaben in die verschiedenen Spalten ziehen.

In TeamPulse kann diese Ansicht frei konfiguriert werden. Sehr angenehm war, dass das Arbeitspaket am Anfang der Zeile dargestellt war und die Aufgaben auch dargestellt wurden. Man kann schnell Filter erstellen. Auch Supportfälle die wir ohne Arbeitspaket erstellt haben, konnte man einfach erkennen. Ein Schieberegler ermöglicht ein Zoom der dargestellten Karten. Die Details zu einer Aufgabe werden in einem Detailfenster angezeigt. Hier können eigene Felder untergeberacht werden

2 TeamPulse TaskBoard

In VersionOne gibt es einen Teamraum der für die tägliche Arbeit genutzt wird. Hier können zusätzlich noch die neusten Änderungen angesehen werden. Auch hier werden die Unteraufgaben neben den Arbeitspaketen dargestellt.

3 VersionOne TaskBoard

In Jira wird die Story als Überschrift über die Unteraufgaben dargestellt. Auch hier gibt es ein Detailfenster mit allen relevanten Informationen in denen auch eigene Felder untergebracht werden können. Die Ansicht kann weiter mit Filtern angepasst werden.

4 Jira TaskBoard

Soweit so gut unterscheiden sich die Tools in diesem Punkt kaum. Schließlich ist es auch für den Entwickler die wichtigste Ansicht.

VersionOne +++ Jira +++ TeamPulse +++

 

Daily Scrum – das kurze Meeting

Im Daily Scrum stehen die Entwickler kurz zusammen und klären was gestern erledigt wurde, ob es Probleme gibt und was jeder heute tut um dem Team am besten zu helfen. Dafür muss auch eine Übersicht her. Beim Daily Scrum versammelt sich das Team bei uns direkt vorm WhiteBoard oder während des Tests vor einem Beamer. Zukünftig wird dies durch einen größeren Bildschirm an der Wand ersetzt.

Für alle drei Produkte ist eine Daily Scrum – Ansicht schon etwas schwieriger. Das Problem ist alle Aufgaben auf einen Bildschirm zu sehen ohne dass jemand wild mit der Maus scrollen muss (denn das ist oft recht störend).

In VersionOne mussten wir gleich auf eine Übersicht der Aufgaben verzichten und sind zu einer Übersicht der Stories gewechselt. So hatte man da wenigsten die Übersicht.

In Jira haben wir uns ein Dashboard für den Daily Scrum gebaut. Hier waren die aktuellen Aufgaben in Listenform angeordnet. Auf dem Dashboard haben wir dann auch gleich das Burndown-Chart eingeblendet.

Für TeamPulse haben wir ebenfalls eine Listenansicht der Aufgaben erstellt.

Alles in allem liegen hier Jira und TeamPulse nah beieinander. VersionOne verliert hier etwas.

Jira ++ TeamPulse ++ VersionOne +

 

Planung – und die Ordnung im Backlog

Wie oben schon geschrieben stehen wir jeden Freitag zur Sprintplanung zusammen. Aber vorher treffen sich die jeweiligen Project Owner um eine Priorisierung des Backlogs vorzunehmen (als Dienstleister ist es schwer mit nur einem Project Owner, wenn Sie mehr über unseren Prozess wissen wollen dann kontaktieren sie uns am besten direkt). Dabei ist wichtig, dass mehrere Projekte gleichzeitig entwickelt werden können und somit Arbeitspakete mehrerer Projekte im Sprint hängen. Wir ermitteln zunächst wieviel ideale PT wir im nächsten Sprint schaffen werden und füllen diese dann mit den Arbeitspaketen die zuvor geschätzt wurden.

Allein die Einrichtung eines neuen Sprints ist manchmal etwas schwierig. In TeamPulse muss für jedes Projekt eine neue Iteration angelegt werden. In VersionOne und Jira müssen die Projekte nur einmal einem Sprintplan hinzugefügt werden.

In TeamPulse bekommt man für die Iterationsplanung das Backlog sowie alle Projekte angezeigt. Wenn man ein Arbeitspaket in den Sprint ziehen möchte muss man das auf die richtige Spalte ziehen.

5 TeamPulse Sprintplanung

Sowohl in VersionOne als auch Jira werden die Arbeitspakete einfach in den Sprint gezogen. Dabei wird auch gleich die Summe der Aufwände der Arbeitspakete dargestellt, was die Planung ungemein vereinfacht.

6 Jira Sprintplanung

Jira +++ VersionOne+++ TeamPulse +

 

Review – wie gut waren wir eigentlich?

Kurz vor der Sprintplanung führen wir ein Sprintreview durch. Normalerweise macht man das in Scrum mit dem Kunden. Da wir aber nun Dienstleister sind und viele Projekte haben macht sich das immer etwas schlecht. Deswegen machen wir ein kurzes Review, stellen alle geschafften Arbeitspakete noch einmal vor und messen die Geschwindigkeit. Auch dafür hätten wir gern Unterstützung durch ein Tool.

TeamPulse bietet hier recht wenig. Der Sprint ist abrupt an dem Tag wo er eingestellt wurde (keine Uhrzeit). Also meist Donnerstag. Die Übersicht mit den Arbeitspaketen im Sprint ist also dahin. Hier muss man durch verschiedene Ansichten springen um die notwendigen Informationen zusammen zu suchen.

Bei Jira kann man die nicht geschafften Arbeitspakete gleich in den nächsten Sprint ziehen oder über das Kontextmenü dahin verschieben.

7 Jira Kontextmenü

Außerdem bekommt man eine sehr gute Übersicht über die Arbeitspakete, die in den Sprint gezogen wurden oder später noch hinzukamen. Hierfür gibt es einen eigenen Sprintreview-Bildschirm mit einigen Reports.

VersionOne bietet auch die Möglichkeit über kurze Wege Arbeitspakete in den nächsten Sprint zu werfen. Auch hier kann abgelesen werden wie viele ideale PT geschafft wurden.

Jira+++ VersionOne +++ TeamPulse +

 

Reports – das Große und Ganze

Reports sind immer ganz interessant wenn man längere Zeit mit digitaler Unterstützung arbeitet. Manuell haben wir nur die Entwicklungsgeschwindigkeit gemessen. Ein Burndown-Chart gehört zu den Muss-Reports.

TeamPulse bietet eine Reihe von Reports, hält aber leider hier nicht das Projekt mit mehreren Projekten. Reports können hier nur auf ein Projekt angezeigt werden.

VersionOne hat auf jeden Fall ein Burndown-Chart.

Bei Jira können zum Burndown-Chart noch eine ganze Reihe Reports aufgerufen werden. Sehr interessant ist zum Beispiel der Epic-Burndown-Chart um zu sehen wann eine Sammlung an Arbeitspaketen wahrscheinlich fertig ist.

Jira +++ VersionOne ++ TeamPulse +

 

Fazit

Alle drei Produkte haben einen hohen Reifegrad. TeamPulse und Jira bieten ein Plus mit Ihren frei anpassbaren Ansichten. Dafür nimmt VersionOne den Benutzer mehr an die Hand und leitet ihn durch einen Prozess. Dies war für uns aber nicht so interessant, da sich unser Entwicklungsprozess schon vorher etabliert hatte.

Und für alle die unsere Entscheidung interessiert. Wir haben uns für Jira entschieden.

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